Die letzte große Reise

Die letzte große Reise

 

 

Ganz oft werde ich gefragt: " Wie kommst du denn auf die Idee Hospiz-Begleitung zu machen, gibt es da nicht leichtere Aufgaben?"

 

Ich finde meine Aufgabe gar nicht so bedrückend. Ja, es ist schon wichtig darauf zu achten nicht nur noch an die zu Begleitende Person zu denken und in Trübsal zu versinken, weil die letzten Tage im Leben nicht immer nur schönes zu bieten haben. 

 

Es zeigt mir aber auch, was im Leben wichtig ist. Worauf richte ich meinen Fokus? Auf die oftmals eigenen erschaffenen Nöte oder besser auf das positive, die Dinge die das Leben noch zu bieten hat. 

 

Es ist für den Betreffenden nicht leicht mit der neuen Situation umzugehen, die Möglichkeiten selbst etwas zu tun werden weniger. Der Körper kann nicht mehr so wie man gerne möchte. Da kommen Fragen auf, warum ich, warum jetzt, ich wollte doch noch, warum habe ich nie, jetzt geht es nicht mehr, hätte ich doch.

 

Alltagsfragen

Das sind auch Fragen für den Alltag. Solange ich noch alle Möglichkeiten habe, die das Leben mir so bietet, macht es doch keinen Sinn, nicht genau das zu tun, was ich für richtig halte, das zu tun was mir guttut.

 

Offen und ruhig bleiben

Nie kann ich vorhersagen wie sich das nächste Treffen gestaltet. Völlig ohne Erwartungen lasse ich mich immer wieder auf eine andere Gegebenheit ein. Da heißt es offen und flexibel bleiben für das was kommt, sich nicht im Vorfeld schon immer Gedanken machen. Im normalen Alltag kommt es oft auch anders als erwartet. 

Manchmal spürte ich bei dem Kranken auch eine ganz tiefe Ruhe, Vertrauen auf das was kommt. Auch eine Eigenschaft die das Leben leichter macht. 

 

Begegnung - Verbindung - Abschied

Wenn ich das erste mal zu einer Person gehe, die gerne ein begleitet werden mag, bin ich erst schon etwas nervös. Wem begegne ich da, wer wartet da auf mich. Frei von Wertung sein, nicht nur Äußerlichkeiten fokussieren.

Meine Aufgabe ist es die Ängste und Nöte des Kranken zu würdigen, ernst zu nehmen. Was für den einen banal erscheinen mag ist für den anderen besonders schlimm oder genau umgekehrt.

 

Der Abschied. Viele meinen: „Wie kannst du nur freiwillig jemanden auf seiner letzten großen Reise begleitenden?",„Du stürzt dich doch mit Absicht in Trauer.", „Das macht dein Leben doch nur schwerer."

Ja, auch ich bin traurig von einem lieb gewonnenen Menschen Abschied zu nehmen. Mein Abschied wird aber nicht von familiären Bindungen und Strukturen überschattet. Kummer und Schuld fallen weg. Kein festhalten, um noch etwas gut zu machen.

 

Dankbar sein

Ich bin dankbar, dafür den Menschen auf seinem letzten Weg begleiten zu dürfen, dafür das mir soviel Vertrauen geschenkt wird, dafür das mir immer wieder gezeigt wird, was ist wirklich wichtig im Leben, dafür das es keinen Sinn macht, Wünsche, Träume, Pläne auf später zu verschieben, oft kommt es ganz anders als erwartet und dann könnte es vielleicht zu spät sein.

  

Dankbar für das Leben sein

 

Liebevolle Grüße 

Petra

 

PS.: Hast du auch Erfahrungen mit sterbenden Menschen die dir so viel für dein Leben mitgegeben haben, obwohl es für sie keine Perspektive mehr auf dieser Seite der Welt mehr gab?

Bist du auch jemanden besonders Dankbar, jemanden der dir gezeigt hat, was ist wirklich wichtig im Leben.  

Schreibe mir gerne hier in den Kommentaren oder ganz persönlich hier

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